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    Lelit William PL72 Espressomühle im Test

    Lelit William PL72 Espressomühle im Test

    Die Lelit William PL72 kostete zum Testzeitpunkt ca. 417 Euro und lief bei uns in der Vergleichsgruppe der Mühlen zwischen 400 und 500 Euro mit. Selbst gekauft, wie immer. Sie ist laut und lässt sich nur in Stufen einstellen. Michel Aeschbacher, Schweizer Vize-Baristameister und Kursleiter bei uns, hat es im Test kurz gemacht: „Ich finde sie optisch mega hässlich.“ Und trotzdem macht diese Mühle eine Sache besser als jede andere Mühle, die durch unser Labor gegangen ist.

    Getestet haben wir die PL72 im ersten Set unserer grossen Espressomühlen-Testreihe, in dem wir 24 Mühlen direkt miteinander verglichen haben. Inzwischen sind über 100 Mühlen durch unser Labor gegangen, alle nach demselben Protokoll. Wie dieses Protokoll aussieht, steht im Testprotokoll Espressomühlen. Alle unsere Tests zum Hersteller bündeln wir auf der Seite Lelit im Überblick.

    Aufbau und erster Eindruck

    6,6 Kilogramm bringt die PL72 auf die Waage, bei 14 Zentimetern Breite, 38,5 Zentimetern Höhe und 22,5 Zentimetern Tiefe. Ein gutes Stück des Gewichts sitzt im Deckel. Vieles am Gehäuse ist einfach gebaut: gebogenes Blech, wie man es von Espressomaschinenherstellern kennt, die ihr Chromstahl selbst kanten und dann auch für Mühlen verwenden.

    Ein Detail gefällt uns: Das Drop-Blade am Auslauf sitzt magnetisch und fühlt sich wertig an. Was weniger gefällt: Die Übersetzung im Antrieb ist mit Kunststoff-Zahnrädern gelöst. Wie lange das hält, können wir nach unserer Testdauer nicht sagen. Wenn du die Mühle länger besitzt, schreib uns das gerne in die Kommentare.

    Der Bohnenbehälter ist nicht abnehmbar. Man kann ihn abschrauben, aber das ist kein Abnehmen im Alltagssinn. Für uns heisst das: Diese Mühle ist nicht dafür gebaut, mehrmals täglich die Bohnensorte zu wechseln. Zumindest nicht auf dem Weg, den der Hersteller vorgesehen hat. Dazu kommen wir gleich noch.

    Lelit PL72

    Lautstärke, Geschwindigkeit, Temperatur

    86,4 Dezibel. In unserer Vergleichsgruppe gab es zwei eher leise und zwei eher laute Mühlen, und die PL72 gehört zu den lauten. Sie braucht auch hörbar Anlauf, bis sie auf Touren kommt.

    Was sie dann leistet, ist beachtlich: 31,8 Gramm in 10 Sekunden. Das macht die PL72 zu einer der schnellsten Mühlen im gesamten Testfeld. Wer 18 Gramm mahlt, wartet also keine sechs Sekunden.

    Die Temperatur liegt mit 38,6 Grad auf der wärmeren Seite, der Anstieg über die Messreihe beträgt 1,1 Grad. Das ist eine geringe Steigerung, der Einstiegswert ist allerdings schon hoch. In unseren bisherigen Messreihen hatten höhere Mahlguttemperaturen keinen sensorisch klar nachweisbaren Einfluss.

    Der Totraum, und warum er hier nicht das Problem ist

    5,1 Gramm Totraum. Das ist viel. Es gibt Mühlen in diesem Feld, die bei 3 Gramm und weniger liegen, und jedes Gramm altes Pulver im Mahlwerk musst du irgendwann durchmahlen.

    Nur: Bei der PL72 spielt das keine Rolle, wenn du sie richtig benutzt. Wir haben die Mühle leer gemahlen, 18 Gramm oben eingefüllt und unten 18 Gramm herausbekommen. Vollständig. Null Verlust. Wir haben das mehrfach wiederholt, weil wir es nicht geglaubt haben, und in unserer Messtabelle steht bei Single-Dosing-Performance immer noch eine Null.

    Unser Tipp: PL72 als Single-Dosing-Mühle betreiben

    Wieg den Kaffee vorher ab, gib die Bohnen oben ein und lass die Mühle 30 Sekunden nachlaufen. Danach ist sie leer, und du hast dein Mahlgut vollständig im Behälter. Damit löst du zwei Probleme gleichzeitig: keinen Totraum und die Möglichkeit, mehrere Kaffees nebeneinander zu trinken, obwohl der Bohnenbehälter nicht abnehmbar ist.

    Für alle, die morgens einen Espresso aus Äthiopien und mittags einen Cappuccino aus Brasilien wollen, ist das die einzige sinnvolle Betriebsart dieser Mühle. Und sie funktioniert erstaunlich gut. Wenn du eine PL72 hast: probier es aus.

    Die Dosierfunktion ist das Gegenteil davon

    Die PL72 hat eine Zeitdosierung mit Ein- und Doppelportion. Einmal drücken gibt die Einzeldosis, zweimal drücken die doppelte. Eingestellt wird über die Minus-Taste, danach ist der Wert direkt gespeichert. So weit, so bequem.

    Genau ist die Dosierung allerdings nicht. Wir messen eine Standardabweichung von 0,61 Gramm, und in der Spitze liegen zwischen zwei Dosierungen mit derselben Einstellung 1,2 Gramm Unterschied, also 18 gegen 19,2 Gramm. Damit ist die Dosierfunktion für Espresso schlicht nicht brauchbar. Wenn du hinterher ohnehin abwiegen musst, wieg vorher ab. Das ist der Punkt, an dem die Mühle gegen ihr eigenes Konzept arbeitet.

    Mahlgradeinstellung und Stoppknopf der Lelit William PL72

    Mahlgradeinstellung und Stoppknopf der Lelit William PL72

    Korrektur zum Video: Im Video sagen wir, es gebe keine Möglichkeit, den Mahlvorgang abzubrechen. Das ist falsch. Neben dem Mahlgradverstellrad sitzt eine Stopptaste, wie im Bild oben zu sehen.

    Mahlgradeinstellung: der eigentliche Schwachpunkt

    Die PL72 wird in Stufen eingestellt, nicht stufenlos. Die Sprünge zwischen zwei Stufen sind deutlich. Normalerweise brauchen wir drei Shots, um einen Espresso sauber einzustellen, hier waren es viereinhalb, weil eine Stufe regelmässig zu weit war und wir wieder zurückgehen mussten.

    Schlimmer ist die Wiederholbarkeit. Wir haben die Mühle zwischendurch auf Ristretto und Café Crème verstellt und danach wieder auf denselben Espresso-Mahlgrad zurückgedreht. Dieselbe Stufe, viermal dasselbe Rezept, und vier Partikelverteilungskurven, die deutlich auseinanderlaufen. Die X50-Werte liegen bei 328, 341, 305 und 366 Mikrometern. Das sind Welten, und wir vermuten die Kunststoff-Übersetzung als Ursache.

    Was das für dich bedeutet: Du kannst mit dieser Mühle keine Rezepte einstellen und später wieder abrufen. Wenn du zwischendurch den Mahlgrad veränderst, fängst du beim Zurückstellen praktisch neu an.

    Partikelverteilung Lelit William PL72

    Partikelverteilungskurven der Lelit William PL72 bei vier Espressobezügen (T2, T3, T4, T7)

    Was die Mühle mahlt, ist gut

    Bei aller Kritik an der Einstellbarkeit: Das Mahlgut selbst ist solide bis sehr gut. Der Grob-Peak liegt in unserer Espresso-Basismessung bei 227 Mikrometern und damit deutlich auf der schmalen Seite. Ein schmaler Hauptpeak heisst, dass viele Partikel in dem Grössenbereich liegen, den wir für eine gleichmässige Extraktion brauchen. Zum Vergleich: Die Eureka XL kam beim gleichen Espresso-Rezept, gemessen in unserer Vergleichsreihe zu den Lelit-Fred-Mühlen, auf 239 Mikrometer.

    Dazu kommt ein Feinanteil von 22,7 Prozent. Das ist im Vergleich ordentlich viel, aber beim Espresso baut genau dieser Feinanteil den Widerstand auf, den man braucht.

    In der Tasse zeigt sich das als ordentlicher, balancierter Espresso. Unser Schulungsespresso Apas kam mandelig heraus, mit einer etwas spitzeren Säure und einer eher saftigen als cremigen Textur. Nicht die dichteste Interpretation, die wir aus diesem Kaffee kennen, aber sauber. Wenn wir einen Bezug in der Range hatten, war er gut. Nur brauchten wir mehr Versuche als sonst, um dort hinzukommen.

    Messwerte im Überblick

    Kriterium Messwert Einordnung
    Lautstärke 86,4 dB laut für die Gruppe
    Totraum 5,1 g hoch
    Geschwindigkeit 31,8 g / 10 s eine der schnellsten im Test
    Temperatur 38,6 °C, Anstieg 1,1 ° warm, aber stabil
    Dosierkonstanz Standardabweichung 0,61 g schlecht
    Mahlgrad-Replizierbarkeit X50 von 305 bis 366 µm schlecht
    Grob-Peak (Espresso, T4) 227 µm schmal, sehr gut
    Feinanteil (Espresso, T4) 22,7 % gering, für heutige Zeit
    Single-Dosing-Performance 0 g Verlust bestes Ergebnis im gesamten Testfeld
    Bohnenbehälter abnehmbar nein nur abschraubbar

    Fazit Lelit PL72

    Fazit zur Lelit William PL72

    Die PL72 ist eine Mühle mit zwei Gesichtern. Nutzt du sie so, wie Lelit sie gedacht hat, also mit Bohnen im Behälter und Zeitdosierung, dann ist sie mittelmässig: hoher Totraum, unzuverlässige Dosierung und kein Bohnenwechsel möglich. Nutzt du sie im Single Dosing, mit vorher abgewogenen Bohnen und 30 Sekunden Nachlauf, dann bekommst du eine schnelle Mühle mit sehr guter Partikelverteilung und null Verlust.

    Der Haken bleibt die Mahlgradeinstellung. Die Stufen springen zu weit, und der gleiche Punkt lässt sich nach einer Verstellung nicht wiederfinden. Wer nur Espresso trinkt und den Mahlgrad einmal einstellt, lebt damit. Wer zwischen Zubereitungsarten wechselt, wird es hassen.

    Unsere Empfehlung: Wenn du die PL72 schon hast, behalte sie und stell auf Single Dosing um. Das lohnt sich wirklich. Wenn du neu kaufst, gibt es in dieser Preisklasse Mühlen, die dir weniger Kompromisse abverlangen. Welche das sind, steht in unserer Übersicht der besten Espressomühlen für Zuhause, in der inzwischen über 100 getestete Mühlen stehen. Ins Finale unseres Mühlentests hat es die PL72 nicht geschafft.

    Wie sich die PL72 gegenüber den anderen Lelit-Mühlen und den Espressomaschinen des Herstellers einordnet, findest du auf unserer Übersichtsseite Lelit: alle Tests und Modelle. Und wenn du am Rezept arbeiten willst statt an der Mühle: Espresso zubereiten.

    Wie immer haben wir auch diese Mühle selbst gekauft. Dieser Test wurde nicht von Lelit angefragt.

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