Warum ein standardisiertes Testprotokoll?
Beim Kauf einer Espressomaschine steht man vor einer überwältigenden Auswahl: Von der kompakten Thermoblock-Maschine für 400 Euro bis zum Dualboiler-Monster für 4.000 Euro – wie soll man da vergleichen? Genau hier setzt unser Testprotokoll an.
Wir wollen euch nicht einfach nur sagen "Diese Maschine ist toll" oder "Jene ist schlecht". Unser Ziel ist es, eine objektive, messbare und vergleichbare Bewertung zu liefern, die auf harten Fakten basiert. Dabei steht das Ergebnis in der Tasse im Vordergrund, ergänzt um messbare technische Parameter und eine faire ökonomische Einordnung.
Alle Ergebnisse werden auf einer Skala von 0 (ungenügend) bis 10 (herausragend) bewertet und anschliessend gewichtet zu einem Gesamtscore zusammengeführt.
Wie ihr dieses Protokoll lesen sollt
Wichtig: Der Gesamtscore ist ein Durchschnitt über alle Kategorien. Eine Maschine mit Score 7,0 kann in Einzelkategorien deutlich besser (9,0) oder schlechter (5,0) abschneiden. Für eure individuelle Kaufentscheidung empfehlen wir daher:
- Schaut euch zuerst den Gesamtscore an – er gibt einen schnellen Überblick über die Gesamtqualität
- Identifiziert eure persönlichen Prioritäten – Was ist euch wichtig? Espressopotential? Schäumleistung? Energieeffizienz?
- Fokussiert auf die relevanten Einzelnoten – Ignoriert Kategorien, die für euch unwichtig sind
- Vergleicht nur Maschinen in ähnlichen Preisklassen – Ein Score von 7,5 bei 800 Euro kann besser sein als 8,0 bei 2.500 Euro
In Zukunft wird unsere Webseite euch die Möglichkeit geben, die Kategorien selbst zu gewichten. Dann könnt ihr zum Beispiel sagen: "Stromverbrauch ist mir sehr wichtig, Schäumfähigkeit unwichtig, Aufheizzeit sekundär" – und die Maschine wird entsprechend eurer Präferenzen neu bewertet.
Die Gewichtung: Nicht alle Kriterien sind gleich wichtig
Um der unterschiedlichen Relevanz der Aspekte gerecht zu werden, fliessen die Kategorien mit verschiedenen Faktoren in die Gesamtwertung ein:
Faktor 3 (Hoch – Der Kern)
Espressopotential (3×): Das wichtigste Kriterium. Wie gut ist der Espresso, der sich maximal aus der Maschine herausholen lässt? Hier verschmelzen technische Voraussetzungen mit sensorischer Validierung.
Faktor 2 (Mittel – Die Technik & Haptik)
Diese Kategorien beeinflussen das tägliche Erlebnis und die technische Leistung erheblich:
- Temperaturmanagement (2×): Konstanz und Einstellbarkeit
- Volumetrik (2×): Präzision der automatischen Mengenprogrammierung
- Schäumqualität (2×): Leistung und Geschwindigkeit beim Schäumen
- Wertigkeit (2×): Material, Verarbeitung und Langlebigkeit
- Bedienbarkeit (2×): Workflow, Reinigung und Ergonomie
- Aufheizzeit (2×): Zeit bis zur vollständigen Einsatzbereitschaft
- Stromverbrauch (2×): Energieeffizienz im Betrieb
Faktor 1 (Niedrig – Ergänzungen & Spezialkategorien)
Diese Aspekte sind relevant, aber für die meisten Nutzer weniger entscheidend:
- Lautstärke (1×): Geräuschentwicklung im Betrieb
- Zubehör (1×): Qualität und Umfang des Lieferumfangs
- Volumenpotential/Catering (1×): Leistungsfähigkeit bei vielen Bezügen in Folge
- Preis-Leistungs-Verhältnis (1×): Die ökonomische Einordnung
Berechnung des Gesamtscores
Die Summe der Faktoren beträgt 19. Das Ergebnis ist eine Note zwischen 0 und 10.
Die Qualitätsklassen
Je nach Gesamtscore ordnen wir die Maschine einer Qualitätsklasse zu:
| Score | Qualitätsklasse | Bedeutung |
|---|---|---|
| 9,3 - 10,0 | Weltklasse | Referenzgerät, keine nennenswerten Schwächen |
| 8,0 - 9,2 | Exzellent | Hervorragende Maschine mit minimalen Kompromissen |
| 6,5 - 7,9 | Sehr Gut | Starke Leistung, für die meisten Nutzer empfehlenswert |
| 5,0 - 6,4 | Gut / Standard | Solide Maschine, erfüllt Basisanforderungen |
| 3,0 - 4,9 | Kompromiss | Deutliche Schwächen, nur für spezielle Anwendungsfälle |
| < 3,0 | Ungenügend | Nicht empfehlenswert |
Kategorie 1: Espressopotential
Faktor 3Das Herz unseres Tests
Warum diese Kategorie am wichtigsten ist
Am Ende zählt nur eines: Wie schmeckt der Espresso? Eine Maschine kann technisch beeindruckend sein, aber wenn das Ergebnis in der Tasse enttäuscht, ist alles andere nebensächlich. Deshalb trägt das Espressopotential mit Faktor 3 zur Gesamtwertung bei – mehr als jede andere Kategorie.
Unser Hybrid-Ansatz: Technik + Sensorik
Das Espressopotential ergibt sich aus zwei Säulen:
- 1. Technische Voraussetzungen (max. 8 Punkte) – objektiv messbar
- 2. Sensorische Validierung (max. 2 Punkte) – Panel-Test
Die technischen Voraussetzungen (8 Punkte)
A. Temperatur-Performance (0-3 Punkte)
Die Note aus Kapitel 6 (Temperaturmanagement) wird hier als Grundlage verwendet:
- Score ≥ 9,0 in Kap. 6 → 3,0 Punkte
- Score 8,0-8,9 → 2,5 Punkte
- Score 7,0-7,9 → 2,0 Punkte
- Score 6,0-6,9 → 1,5 Punkte
- Score 5,0-5,9 → 1,0 Punkte
- Score < 5,0 → 0,5 Punkte
Temperaturstabilität ist die Basis für guten Espresso. Eine Maschine mit exzellentem Temperaturmanagement hat bereits einen grossen Vorteil.
B. Profilierung & Brühkontrolle (0-3,5 Punkte)
Manuelle Kontrolle (0-3 Punkte):
- 3,0 Pkt: Fluss + Drucksteuerung: alles geht. Formulierung von If-Bedingungen, Stages, Volumetrische Steuerung
- 2,5 Pkt: Programmierbare Druckprofilsteuerung
- 2,0 Pkt: Pre-Infusion einstellbar (Zeit/Druck) ODER einfache Druckprofile
- 1,5 Pkt: Fixe (sinnvolle) Pre-Infusion vorhanden
- 1,0 Pkt: Manuelle Profilierung über Paddel/Hebel möglich
- 0 Pkt: Keine Profilierungsoptionen
Smart Profiling Bonus (+0,5 Punkt):
Einige moderne Maschinen verfügen über adaptive Systeme, die während des Bezugs den Flow überwachen und automatisch eingreifen. Erkennt die Maschine beispielsweise einen zu schnellen Durchlauf (Indikator für zu groben Mahlgrad), reduziert sie den Druck oder verlängert die Pre-Infusion automatisch. Dies erhöht die Fehlertoleranz erheblich und ermöglicht auch weniger erfahrenen Nutzern konsistent hochwertige Ergebnisse.
Maximum: 3,5 Punkte
C. Hardware-Hygiene (0-2 Punkte)
Duschqualität & Wasserverteilung (0-1 Punkt):
- 1,0 Pkt: Hochwertige Dusche, hochwertige Siebe, gleichmässige Verteilung
- 0,5 Pkt: Solide Standarddusche, Siebe mittlerer Qualität
- 0 Pkt: Mangelhafte Verteilung, Channeling-Anfälligkeit
Thermische Masse & Druckaufbau (0-1 Punkt):
- 1,0 Pkt: Durchgeheizter Metallsiebträger, stabiler Druckaufbau
- 0,5 Pkt: Teilweise thermische Masse oder leichte Druckschwankungen
- 0 Pkt: Kalter Siebträger oder instabiler Druck
Die sensorische Validierung (2 Punkte)
Die technischen Werte sind das Fundament – aber schmeckt man das auch?
Panel-Test durch Q-Grader Benjamin Hohlmann mit Referenzkaffees, deren ideales Profil bekannt ist.
Bewertung:
- +2 Punkte: Maschine setzt technisches Potenzial vollständig um. Espresso zeigt ausgewogene Balance, keine Extraktionsfehler
- +1 Punkt: Technisches Potenzial wird grösstenteils umgesetzt, minimale Abweichungen
- 0 Punkte: Deutliche Diskrepanz zwischen Technik und Tassenergebnis
Die sensorischen Kriterien (angelehnt an das WBC-Protokoll) dienen als Checkliste:
Cluster 1: Geschmacksbalance
- Süsse (Anwesenheit und Intensität)
- Säure vs. Sauer (organische Säuren positiv, essige Noten negativ)
- Bitterkeit (integriert vs. harsch-metallisch)
Cluster 2: Taktil & Nachgeschmack
- Gewicht (physikalische Schwere im Mundraum)
- Textur (cremig/seidig vs. sandig/rau)
- Finish (Dauer und Qualität des Nachgeschmacks)
Diese werden nicht einzeln bewertet, sondern fliessen in die Gesamteinschätzung ein: "Setzt die Maschine ihr Potenzial um?"
Kategorie 2: Schäumqualität
Faktor 2Hinweis: Dieses Kapitel befindet sich noch in der Testphase. Wir nennen euch die Kategorien und worauf wir achten, aber die genaue Punkteverteilung reichen wir nach, sobald wir genügend Vergleichsdaten gesammelt haben.
Bewertet wird die Fähigkeit der Maschine, feinporigen, homogenen Mikroschaum für Latte Art zu erzeugen. Diese Einschätzung wird von unserem Barista-Profi Michel Indelicato vorgenommen, der in Testszenarien mit rund 100 verschiedenen Maschinentypen geschäumt hat.
Die Kategorien (max. 10 Punkte)
A. Dampfpower
Druck und Vermögen, eine 300ml-Milchmenge in einer 0,6l-Kanne in Drehung zu bringen. Je schräger eine Kanne gehalten werden muss, desto weniger kraftvoll ist die Maschine.
- Kanne vertikal (0°) → Starke Power
- Leicht schräg → Gute Power
- Stark schräg → Schwache Power
- Keine Rotation → Ungenügend

B. Geschwindigkeit
Zeitbedarf für das Erhitzen von 300ml Milch von 8°C (Kühlschranktemperatur) auf 60°C. In diesem Szenario wird die Milch bewusst nicht geschäumt, sondern nur erhitzt (Dampflanze tief eingeführt).
C. Workflow & Ergonomie
- No-Burn-Dampflanze oder isolierte Ausführung
- Kugeldrehgelenk (360° frei beweglich)
- Drehventil (präzise Dampfmengensteuerung) vs. simpler Kippschalter
D. Kondenswasser
Wieviel Kondenswasser bzw. rückständige Feuchtigkeit wird von der Maschine ausgeworfen, bevor das Schäumen beginnen kann? Zu viel Kondenswasser verwässert die Milch.
Hinweis: Das Massenpotential (Geht die Dampfkraft nach mehreren Schäumvorgängen in die Knie?) wird in Kapitel 10 (Catering/Volumenpotential) bewertet.
Kategorie 3: Volumetrik
Faktor 2Der Robustheitstest
Wir testen nicht nur, ob eine Volumetrik vorhanden ist, sondern wie robust sie unter wechselnden Bedingungen arbeitet.
Das 5-Stufen-Stress-Testverfahren
Setup:
- Kaffee: Apas Espresso (mittlere Röstung)
- Mühle: Mahlkönig E64 GbW
- Brühverhältnis: 1:2,5
- Zielgrösse: Abhängig von Siebgrösse, bleibt konstant eingestellt
Die 5 Stufen:
- Hardware-Basis (5×): Scace-Siebträger (simulierter Widerstand) – Prüfung der reinen Technik ohne Einfluss des Kaffeepucks
- Referenz-Espresso (5×): Realbedingungen mit Standard-Mahlgrad
- Profil-Check (5×): Test mit komplexen Profilen (z.B. Pre-Infusion), um zu prüfen, ob die Logik bei Druckschwankungen stabil bleibt
- Stress-Test "Gröber" (3×): Mahlgrad wird eine volle Zahl gröber gestellt (schnellerer Fluss)
- Stress-Test "Feiner" (3×): Mahlgrad wird eine volle Zahl feiner gestellt (langsamerer Fluss)
Ziel: Erkennt die Maschine den veränderten Fluss (Flowmeter) oder stoppt sie stur nach Zeit?
Bewertungsraster (0-10 Punkte)
Hinweis: Es gilt das "Override-Prinzip". Wenn eine Waage gekoppelt ist, zählt deren Präzision.
Basispunkte (Technik-Art):
- 0 Pkt: Manuell (keine Volumetrik)
- 3 Pkt: Reine Zeitsteuerung
Präzisionspunkte (basierend auf durchschnittlicher Abweichung):
- 4 Pkt: ±4g Abweichung
- 6 Pkt: ±2g Abweichung
- 8 Pkt: ±0,5g Abweichung (Waagen-Niveau)
Bonus (+2 Punkte max):
- +1 Pkt: Exakte UI-Eingabe (Gramm/Milliliter statt Impulse)
- +1 Pkt: Integrierte Waage
Bei Waagen-Kopplung führen wir das Protokoll zweimal durch: einmal ohne, einmal mit Waage.
Kategorie 4: Bedienbarkeit, Workflow & Reinigung
Faktor 2Diese Kategorie bewertet, wie angenehm die Maschine im Alltag ist. Eine technisch brillante Maschine, die täglich nervt, verliert hier Punkte.
Punkteverteilung (max. 10 Punkte)
- Interface & Steuerung (max. 3 Punkte + 0,5 Bonus)
- Tägliche Routine (max. 3 Punkte)
- Reinigung & Wartung (max. 3 Punkte)
- Dokumentation (max. 1 Punkt)
A. Interface & Steuerung (0-3,5 Punkte)
Bei Maschinen MIT Display/Software:
- 3,0 Pkt: Intuitiv, keine Anleitung nötig, schnelle Reaktionszeit (<0,5s), gut lesbar
- 2,5 Pkt: Gut, kurze Eingewöhnung, Display bei Sonnenlicht noch lesbar
- 2,0 Pkt: Solide, gelegentlich Anleitung nötig, akzeptable Lesbarkeit
- 1,5 Pkt: Umständliche Menüführung, häufiges Nachschlagen nötig
- 1,0 Pkt: Verwirrend, träge Reaktion, schlechte Lesbarkeit
- 0,5 Pkt: Frustrierend zu bedienen
Bei Maschinen OHNE Display (mechanisch/analog):
- 3,0 Pkt: Hochwertige Bedienelemente, klarer Druckpunkt, präzise Drehregler
- 2,0 Pkt: Solide Haptik, funktional
- 1,0 Pkt: Wackliges Gefühl, ungenaue Einstellung
- 0 Pkt: Billiges Plastik, massives Spiel
Bonus: +0,5 Pkt für programmierbare Shortcuts/Funktionstasten
B. Tägliche Routine (0-3 Punkte)
Jedes erfüllte Kriterium gibt 0,5 Punkte (max. 3):
- ✓ Wassertank leicht entnehmbar/befüllbar ohne Verkanten
- ✓ Wasserstand jederzeit gut sichtbar oder Last Shot Technologie
- ✓ Tropfschale ausreichend dimensioniert (>500ml) und leicht zu entnehmen
- ✓ Siebträger leichtgängig, sicheres Einrasten ohne Kraftaufwand
- ✓ Integrierter Wasserfilter im Tank vorhanden
- ✓ Ergonomische Anordnung aller täglich genutzten Elemente
C. Reinigung & Wartung (0-3 Punkte)
- 3,0 Pkt: Automatische Reinigungsprogramme vorhanden UND Dusche mit Löffel oder mitgeliefertem Werkzeug leicht entfernbar
- 2,5 Pkt: Automatische Programme vorhanden, Demontage teilweise werkzeuglos, Werkzeug nicht im Lieferumfang
- 2,0 Pkt: Manuelle Reinigung einfach, klare Hinweise der Maschine zu Wartungszyklen
- 1,5 Pkt: Manuelle Reinigung möglich, teilweise fummelig
- 1,0 Pkt: Umständliche Demontage, unklare Wartungshinweise
- 0,5 Pkt: Schwer zugängliche Teile, keine Wartungshinweise
D. Dokumentation (0-1 Punkt)
- 1,0 Pkt: Exzellente Anleitung (klar strukturiert, gute Bebilderung, vollständig)
- 0,5 Pkt: Akzeptable Anleitung mit kleineren Lücken
- 0 Pkt: Mangelhafte oder unverständliche Anleitung
Malus: -1 Punkt für signifikante "Nervfaktoren" (übermässig laute Signaltöne, unnötig komplexe Abläufe, lange unerklärliche Wartezeiten)

Kategorie 5: Temperaturmanagement
Faktor 2Das technische Fundament
Warum Temperatur so wichtig ist
Die Brühtemperatur ist einer der kritischsten Parameter beim Espresso. Schon 2°C Unterschied können den Geschmack drastisch verändern: zu kalt = sauer und unterextrahiert, zu heiss = bitter und verbrannt. Wir verlassen uns nicht auf Herstellerangaben, sondern messen selbst – unter standardisierten Bedingungen.
Unser Mess-Setup
Temperaturmessung:
- Gerät: Scace 2 mit Datenlogger
- Kalibrierung: Vor jeder Testreihe mit kochendem Wasser
- Messung: Direkt im Siebträger
Strommessung:
- Gerät: Christ CLM1000 Professional (Plus)
- Auflösung: 0,1 Wh (0,0001 kWh), sekündliche Messwerte
- Logging: Als CSV-Datei gespeichert
Umgebungsbedingungen:
- Wassertemperatur im Tank: 20°C (±2°C)
- Zieltemperatur: 93°C
Der 93-Grad-Standard und Offset-Kalibrierung
Unsere Referenzgrösse ist eine Brühtemperatur von 93°C.
Mit Offset: Verfügt die Maschine über eine einstellbare Temperatursteuerung (PID), justieren wir den Offset so, dass die Maschine im stabilen Zustand (Bezüge 3-5) im Mittelwert möglichst genau 93°C liefert.
Ohne Offset: Ist die Temperatur nicht verstellbar, messen wir die Maschine in ihrer Werkseinstellung.
Wichtig: In Version 2.3 haben wir unsere Bewertung geändert. Früher haben wir Maschinen abgestraft, die ab Werk statt 93°C konstant z.B. 94,5°C geliefert haben. Jetzt gilt: Wenn eine Maschine technisch in der Lage ist, eine Temperatur extrem stabil zu halten, bekommt sie die volle Punktzahl für Konsistenz – auch wenn der Wert ab Werk falsch eingestellt ist. Denn: Ein Offset lässt sich im Menü korrigieren. Eine schwankende Technik lässt sich nicht korrigieren.
Wann gilt eine Maschine als "aufgeheizt"?
Herstellerangaben sind oft optimistisch ("Bereit nach 5 Minuten"). Wir definieren den Status "aufgeheizt" strenger:
Eine Espressomaschine gilt erst dann als betriebsbereit, wenn der erste Bezug um höchstens 1°C vom Mittelwert der vollständig durchgeheizten Maschine abweicht.
Beispiel: Pendelt sich die Maschine nach einer Stunde bei 92,5°C ein, muss sie nach der Aufheizzeit beim ersten Bezug mindestens 91,5°C liefern.
Sonderfall: Bei leichten Siebträgern (Kunststoff/Silikon-Einsatz) gewähren wir eine Abweichung von 1,5 Grad, da sie thermisch anders arbeiten als unser Messsiebträger.
Wir ermitteln die reale Aufheizzeit im Kaltstart-Verfahren in 5-Minuten-Intervallen (5, 10, 15, 20 Min.), bis dieses Kriterium erfüllt ist.
Die zwei Testprotokolle
Das KM-Protokoll – Der Alltagstest
Simuliert die typische Nutzung zuhause: Nach der Aufheizzeit beziehen wir 5 doppelte Espressi im Abstand von jeweils einer Minute.
Ablauf:
- Scace einspannen
- Bezug starten: 27 Sekunden extrahieren
- Standzeit: Scace 15 Sekunden eingespannt lassen
- Ausspannen
- Pause: 45 Sekunden ausgespannt liegen lassen
- Spülen: 2 Sekunden Flush
- Wiederholung (insgesamt 5 Bezüge)
Ziel: Prüfen, ob der erste Bezug sitzt (Kaltstart-Performance) und ob die Maschine die Temperatur über eine Serie konstant hält.

Das WBC-Protokoll – Der Stresstest
Nach Vorgaben der World Barista Championship muss die Maschine unter Dauerfeuer performen: 14 Bezüge in kurzen Intervallen plus paralleles Milchschäumen. Dies zeigt, ob die Maschine Reserven für Gäste oder Gastro-Einsatz hat.
Das WBC-Protokoll wird nach einer Stunde Laufzeit durchgeführt.

Das 3-Cluster-Scoring-Modell (max. 10 Punkte)
Cluster A: KM-Alltagstauglichkeit (max. 5,3 Punkte)
A1. Kaltstart-Verhalten / First Shot (max. 3,3 Punkte)
Vergleich: Mittelwert Bezug 1 vs. Mittelwert Bezug 3-5 (Steady-State)
- Differenz < 0,5°C → 3,3 Punkte
- Differenz < 1,0°C → 2,7 Punkte
- Differenz < 1,5°C → 2,0 Punkte
- Differenz < 2,5°C → 0,7 Punkte
- Differenz > 2,5°C → 0,0 Punkte
A2. Konsistenz & Kalibrierung (max. 2,0 Punkte) – FAIRNESS-UPDATE
Prüfung der Stabilität der Bezüge 3, 4 und 5 untereinander.
Szenario A (Stabil): Delta der Mittelwerte < 0,5°C?
→ 2,0 Punkte (Volle Punktzahl für technische Präzision, unabhängig vom Absolutwert)
→ Pflicht: Im Bericht auf Offset-Korrektur hinweisen
Szenario B (Instabil): Delta > 0,5°C?
→ Bewertung nach Abweichung vom Ziel (93°C)
- ±0,5°C → 2,0 Punkte
- ±1,5°C → 1,3 Punkte
- >1,5°C → 0,0 Punkte
Cluster B: Intra-Shot Stabilität (max. 2,7 Punkte)
Was passiert während der 25 Sekunden Extraktion?
Time-to-Temperature (TTT):
Spätestens ab Sekunde 10 muss der Zielkorridor (Mittelwert ±2°C) erreicht sein.
Falls später ("Late Riser"): Automatisch max. 0,7 Punkte
Kurvenform:
- Flatline: Horizontal (Δ < 0,5°C) → 2,7 Punkte (Technisches Ideal)
- Drop: Leichter Abfall (< 2,0°C) → 2,0 Punkte (Sensorisch gut – verhindert Bitterkeit)
- Rise: Leichter Anstieg (< 2,0°C) → 1,3 Punkte (Sensorisch kritisch – aggressive Extraktion)
- Drift/Instabil: Änderung > 2,0°C → 0,7 Punkte
- Chaos: → 0,0 Punkte

Cluster C: WBC-Performance (max. 2,0 Punkte)
Hält die Maschine auch bei der Gartenparty durch?
Wir feuern 14 Espressi in kurzer Folge ab und schäumen parallel Milch.
Bewertung:
- Profi-Level: Fenster < 1°C (Max-Min) → 2,0 Punkte
- Haushalts-Level: Fenster < 3°C (Max-Min) → 0,7 Punkte
- Versagen: Fenster > 3°C → 0,0 Punkte
Bewertungsraster Aufheizzeit (wird separat bewertet als eigene Kategorie)
| Zeitfenster | Note | Einordnung |
|---|---|---|
| < 02:30 min | 10 | Spontan bereit (Weltklasse) |
| 02:31 – 04:30 min | 9 | Sehr schnell (Exzellent) |
| 04:31 – 07:00 min | 8 | Schnell (Exzellent) |
| 07:01 – 10:00 min | 7 | Zügig (Sehr Gut) |
| 10:01 – 14:00 min | 6 | Akzeptabel (Gut) |
| 14:01 – 18:00 min | 5 | Geduld nötig (Standard) |
| 18:01 – 24:00 min | 4 | Langsam (Kompromiss) |
| 24:01 – 30:00 min | 3 | Sehr langsam (Klassisch E61) |
| > 30:00 min | 1-2 | Nicht mehr zeitgemäss |
Kategorie 6: Wertigkeit & Verarbeitung
Faktor 2Hinweis: Auch diese Kategorie befindet sich noch in der Testphase. Wir nennen die Bewertungskriterien, aber die genaue Punkteverteilung wird nachgereicht.
Die Bewertung geht weit über den ersten optischen Eindruck hinaus. Wir führen eine systematische Prüfung durch.
Die Kategorien (max. 10 Punkte)
A. Oberflächenqualität
- Visuelle Prüfung aller Gehäuseteile (Lackierung, Politur, Beschichtung)
- Prüfung auf gleichmässige Spaltmasse (< 1mm = sehr gut, > 1,5mm = problematisch)
- Tastprüfung aller Kanten auf Schärfe oder Grate
- Passgenauigkeit von Anbauteilen (Tropfschale, Tankdeckel, Tassenreling)
B. Material & Haptik
- Identifikation der primär verwendeten Materialien (Metall, Kunststoff, Holz)
- Bewertung der Materialstärke (z.B. Dicke von Blechteilen >1,5mm = hochwertig)
- Haptische Prüfung von Bedienelementen (Druckpunkt, Festigkeit, Spiel)
C. Konstruktion & Stabilität
- Bewertung der Verwindungssteifigkeit des Gehäuses
- Prüfung der Standfestigkeit
- Qualität sichtbarer Verschraubungen und mechanischer Verbindungen
D. Innenraumqualität (falls einsehbar)
- Sauberkeit der Kabel-/Schlauchverlegung als Indikator für Fertigungssorgfalt
Hinweis zur Langlebigkeit
Wir bewerten derzeit nicht die effektive Langlebigkeit einer Espressomaschine. Wir können das schlicht nicht seriös für mehrere Maschinen leisten. Wir verweisen deshalb auf Berichte von Menschen, die eine Espressomaschine gekauft haben. Das Stimmungsbild im Internet gibt eine gute Übersicht darüber, ob eine Espressomaschine fehleranfällig ist.
Wenn wir dennoch aus eigener Anwendung oder durch Erfahrungen von unseren Home-Barista-Kurs-Teilnehmenden von vermehrten Problemen mit Testmaschinen hören, erwähnen wir das im Rahmen unserer Tests.
Kategorie 7: Lautstärke
Faktor 1Die Lautstärke ist ein entscheidender Komfortfaktor, besonders in offenen Wohnküchen. Wir verlassen uns nicht auf das subjektive Gehör, sondern messen den Schalldruckpegel unter standardisierten Bedingungen.
Messszenario:
- Abstand: 20 cm auf Höhe Brühgruppe
- Umgebung: Filmstudio (kontrollierte akustische Bedingungen)
- Gemessen wird der Maximalwert während eines Espressobezugs unter Last (gegen Blindsieb oder Kaffeepuck bei 9 Bar)
Hinweis: Das reine Leerlaufgeräusch (Pumpe ohne Widerstand) ist oft lauter und daher für die Bewertung irrelevant.
Bewertungsraster (0-10 Punkte)
| Messwert (dB A) | Note | Einordnung | Typische Technik |
|---|---|---|---|
| < 54,0 dB | 10 | Herausragend | Sehr leise Rotationspumpen, Getriebepumpe |
| 54,1 – 55,4 dB | 9 | Exzellent | |
| 55,5 – 56,9 dB | 8 | Sehr Gut | Hochwertig gedämmte Rotationspumpen |
| 57,0 – 58,4 dB | 7 | Gut + | |
| 58,5 – 59,9 dB | 6 | Gut | Sehr leise Vibrationspumpen (gut entkoppelt) |
| 60,0 – 62,9 dB | 5 | Durchschnitt | Standard Vibrationspumpe |
| 63,0 – 64,4 dB | 4 | Unbefriedigend | Lautere Vibrationspumpe |
| 64,5 – 65,9 dB | 3 | Unbefriedigend | Störendes Brummen |
| 66,0 – 69,9 dB | 2 | Schlecht | Resonanzkörper, klappernde Bleche |
| ≥ 70,0 dB | 1 | Sehr Schlecht | Baustellen-Niveau |
Subjektive Korrektur: In Extremfällen kann die Note um max. 1 Punkt korrigiert werden, wenn die Art des Geräusches besonders störend (hochfrequentes Pfeifen, Scheppern) oder besonders angenehm (sonores, tiefes Brummen) ist. Dies muss im Testbericht explizit begründet werden.
Kategorie 8: Zubehör
Faktor 1Wir bewerten nicht die Menge des Plastikmülls, sondern die Qualität der Werkzeuge. Ein passgenauer Tamper ist wertvoller als fünf schlecht verarbeitete Siebe.
Bewertungssystem nach Punktesammlung (max. 10 Punkte)
Basis-Ausstattung (Pflichtelemente)
- Siebträger 2-Auslauf vorhanden: +1 Pkt
- Mindestens 2 Siebe (unterschiedliche Grössen): +1 Pkt
- Tamper mitgeliefert: +1 Pkt
- Blindsieb für Rückspülung: +0,5 Pkt
Qualität der Kernkomponenten
- Tamper passgenau (<1mm Spiel im Sieb): +2 Pkt
- Tamper passgenau (1-2mm Spiel): +1 Pkt
- Siebträger aus Edelstahl: +0,5 Pkt
- Siebe gratfrei, hochwertige Stanzung: +1,5 Pkt
- Siebe akzeptabel: +0,5 Pkt
- Siebträger hochwertig (Metall, gute Haptik): +1 Pkt
Zusätzliches Zubehör
- Siebträger 1-Auslauf: +0,5 Pkt
- Bodenloser Siebträger: +1 Pkt
- Milchkännchen (nur wenn hochwertig): +0,5 Pkt
- Reinigungsmittel/Reinigungsbürste: +0,5 Pkt
- Wassersteckfilter: +0,5 Pkt
- Tassen: +0,5 Pkt
- Sinnvolle Extras (Leveler, WDT-Tool, Schürze etc.): +0,5 Pkt pro Item (max. +1 Pkt gesamt)
Malus
- Tamper zu klein (>2mm Spiel): -1 Pkt
- Gratbildung an Sieben: -0,5 Pkt
- Nicht-funktionales Billig-Zubehör: -0,5 Pkt
Maximum: 10 Punkte (bei Übererfüllung wird gekappt)
Kategorie 9: Volumenpotential-Catering
Faktor 1Bewertet wird die Leistungsfähigkeit der Maschine im Dauerbetrieb ("Stress-Test"). Für die meisten Home-Baristas weniger relevant, aber wichtig wenn ihr regelmässig Gäste bewirtet.
Punkteverteilung (max. 10 Punkte)
A. Temperaturstabilität unter Dauerlast (0-4 Punkte)
Ergebnis aus dem WBC-Protokoll (Kapitel 6):
- 4 Pkt: WBC-Protokoll bestanden mit Fenster <1°C
- 3 Pkt: WBC-Protokoll bestanden mit Fenster <3°C
- 2 Pkt: Leichte Instabilität, aber noch nutzbar
- 1 Pkt: Deutlicher Leistungsabfall
- 0 Pkt: Versagen unter Last
B. Dampf-Massenpotential (0-3 Punkte)
Test: 5 Milchschäumvorgänge (je 300ml) hintereinander im 90-Sekunden-Takt
- 3 Pkt: Alle 5 Durchgänge ohne Leistungsverlust, konstante Dampfpower
- 2 Pkt: Leichter Leistungsabfall ab Durchgang 4-5, aber noch brauchbar
- 1 Pkt: Deutlicher Leistungsabfall ab Durchgang 3
- 0 Pkt: Maschine schafft keine 5 Durchgänge
C. Kapazitäten (0-3 Punkte)
- +1,5 Pkt: Festwasseranschluss
- +1 Pkt: Tropfschale mit Ablauf
- +0,5 Pkt: Grosse Tassenablage mit Vorwärmfunktion (>6 Tassen)

Kategorie 10: Stromverbrauch
Faktor 2Der Kaffeemacher-Energie-Score
Energieeffizienz ist bei modernen Espressomaschinen kein Nischenthema mehr, sondern ein zentrales Qualitätsmerkmal. Um hier eine faire Vergleichbarkeit zwischen einem kleinen Thermoblock und einem grossen Dualboiler zu schaffen, haben wir ein differenziertes Bewertungssystem entwickelt. Weitere Erläuterungenen zum Messystem auch hier. Unser Stromprotokoll wird mittlerweile bei verschiedenen Herstellern von Espressomaschinen in der Entwicklung verwendet.
Unser Mess-Setup
Messgerät: Christ CLM1000 Professional (Plus)
- Auflösung: 0,1 Wh (0,0001 kWh)
- Logging: Sekündliche Messwerte als CSV-Datei
Startbedingungen:
- Maschine mindestens 6 Stunden in Ruhe
- Wassertank mit Raumtemperatur-Wasser (20-24°C) maximal gefüllt
- Kaltstart: Maschine ausgesteckt, dann eingesteckt und eingeschaltet

Das vollständige Messprotokoll
Wir führen bei jeder Maschine ein umfassendes Messprotokoll durch, um alle Nutzungsszenarien abzudecken:
Ablauf des Kaffeemacher-Messprotokolls:
- Aufheizen bis zur Brühbereitschaft (siehe Temperaturprotokoll, Kap. 5)
- 5× Espresso (je ~26 Sekunden, 1 Minute Pause zwischen Bezügen)
- 5× Heisswasser (je 70g für Americano, 1 Minute Pause)
- 5× Dampfbezug (300ml Milch von 6°C auf 60°C, 1 Minute Pause)
- 20 Minuten Warmhalten (Leerlauf, direkt einsatzbereit)
Der Bewertungs-Grundsatz: "Espresso First"
Obwohl wir das komplette Protokoll durchführen, bewerten wir die Maschine basierend auf dem typischen Alltagsszenario:
Score-Relevanter Wert:
Aufheizen + 1 doppelter Espresso (kWh)
Dieser Wert spiegelt die häufigste Nutzung wider: Maschine einschalten, einen Espresso beziehen, wieder ausschalten. Basierend auf einer Umfrage mit 2.700 Teilnehmern aus unserer Community.
Dabei gilt das Prinzip der bestmöglichen Effizienz: Hat eine Maschine (z.B. ein Dualboiler) die Funktion, den energiefressenden Dampfboiler abzuschalten, bewerten wir sie in diesem sparsamen "Espresso-Modus". Wir wollen technologischen Fortschritt und Energiesparfunktionen belohnen.
Transparenz: Zusätzliche Messwerte in unseren Tests
In unseren detaillierten Testberichten weisen wir zusätzlich aus:
| Messwert | Was wird gemessen? | Wofür relevant? |
|---|---|---|
| Espresso | Aufheizen + 1 Espresso | Für Score |
| Cappuccino | Aufheizen + 1 Espresso + 1 Dampfbezug | Milchgetränke-Trinker |
| Warmhalten | Verbrauch pro Stunde im Leerlauf | Durchlaufbetrieb / Café |
| Mit/Ohne Dampfboiler | Bei Dualboilern: Beide Modi | Vergleich der Effizienzoptionen |
Bei klassischen Zweikreisern oder Maschinen ohne Abschaltfunktion für den Dampfboiler ist der Espresso-Wert identisch mit dem Cappuccino-Wert (abzüglich des reinen Dampfbezugs) – was sich entsprechend in einem niedrigeren Score niederschlägt.
Bewertungsskala (1-10 Punkte)
Die Skala orientiert sich an aktuellen Technologiestandards und basiert auf dem Wert "Aufheizen + 1 doppelter Espresso":
| Verbrauch (kWh) | Note | Einordnung |
|---|---|---|
| < 0,05 | 10 | Exzellent (moderne Thermoblöcke) |
| 0,05 - 0,08 | 9 | Sehr gut |
| 0,08 - 0,11 | 8 | Gut (effiziente Einkreiser) |
| 0,11 - 0,14 | 7 | Gut |
| 0,14 - 0,18 | 6 | Durchschnitt |
| 0,18 - 0,22 | 5 | Durchschnitt |
| 0,22 - 0,30 | 4 | Hoch (Dualboiler mit Dampf aus) |
| 0,30 - 0,40 | 3 | Hoch |
| 0,40 - 0,55 | 2 | Sehr hoch (grosse Dualboiler) |
| > 0,55 | 1 | Extrem hoch |
Hinweis zur Interpretation: Der Cappuccino-Wert liegt typischerweise 0,01-0,03 kWh über dem Espresso-Wert (je nach Dampfboiler-Effizienz). Diese Information hilft euch einzuschätzen, wie viel mehr Energie Milchgetränke verbrauchen.
Kategorie 11: Preis-Leistungs-Verhältnis
Faktor 1Die Fair-Value-Formel
Die Bewertung des Preis-Leistungs-Verhältnisses (PLV) erfolgt nicht subjektiv, sondern basiert auf einem mathematischen "Fair Value"-Modell. Dieses setzt die objektiv gemessene Gesamtqualität der Maschine in Relation zu ihrem aktuellen Marktpreis.
Warum eine Formel?
Eine 3.000-Euro-Maschine muss nicht dreimal so gut sein wie eine für 1.000 Euro, um ein gutes PLV zu haben. Das liegt am ökonomischen Gesetz des abnehmenden Grenznutzens: Jeder zusätzlich investierte Euro bringt weniger zusätzliche Qualität. Eine perfekte 10/10 Maschine für 5.000 Euro kann ein schlechteres PLV haben als eine solide 7/10 Maschine für 800 Euro.
Das Berechnungsmodell
Schritt 1: Qualitäts-Basis ermitteln (0-100 Skala)
Wir nehmen den gewichteten Durchschnitt aller technischen und haptischen Leistungskategorien (Kapitel 1-10, OHNE die PLV-Kategorie selbst) und skalieren ihn auf 0-100:
Schritt 2: Rohwert berechnen (Quadratwurzel-Korrektur)
Um teure High-End-Maschinen nicht linear zu bestrafen, wird der Preis über die Quadratwurzel "entschärft":
Beispiel:
- Maschine A: Qualitäts-Basis 80, Preis 1.600 EUR
→ Rohwert = (80 / √1600) × 10 = (80 / 40) × 10 = 20,0 - Maschine B: Qualitäts-Basis 70, Preis 900 EUR
→ Rohwert = (70 / √900) × 10 = (70 / 30) × 10 = 23,3
→ Maschine B hat trotz niedrigerer Qualität ein besseres PLV!
Schritt 3: Skalierung auf 0-10 Note (Fair Value 2025)
Der Rohwert wird anhand aktueller Marktdaten in eine Note umgerechnet:
Der Anker (Note 5,0): Ein Rohwert von 15,0 definiert den aktuellen Marktstandard für einen fairen Preis (z.B. solide Mittelklasse-Dualboiler).
Die Steigung: Eine Veränderung des Rohwerts um 3,0 Punkte führt zu einer Veränderung der Note um 1,0.
Formel:
Begrenzung: Min. 0 Punkte, Max. 10 Punkte
Interpretation
- Note > 8 Preiskracher. Überdurchschnittlich viel Leistung für den Preis
- Note 5 – 6,5 Fair Value. Der Preis ist der gebotenen Leistung angemessen
- Note < 5 Enthusiasten-Aufschlag. Man zahlt für Nuancen, Design oder Marke einen überproportionalen Aufpreis
Wie ihr unsere Testergebnisse interpretiert
1. Der Gesamtscore ist nur der Anfang
Eine 7,5 bedeutet "Sehr Gut" – aber vielleicht ist die Maschine in den für euch unwichtigen Kategorien schwach und in den wichtigen Kategorien exzellent. Schaut immer auf die Einzelnoten!
2. Vergleicht nur innerhalb ähnlicher Preisklassen
Eine Maschine für 800 EUR mit Score 7,5 ist ein anderes Kaliber als eine für 2.500 EUR mit Score 7,5. Nutzt die Preis-Leistungs-Note für faire Vergleiche.
3. Identifiziert eure "Must-Haves"
Fragt euch:
- Trinke ich hauptsächlich Espresso oder Milchgetränke? (→ Espressopotential vs. Schäumqualität)
- Nutze ich die Maschine täglich oder am Wochenende? (→ Aufheizzeit, Bedienbarkeit)
- Ist mir Nachhaltigkeit wichtig? (→ Stromverbrauch)
- Habe ich oft Gäste? (→ Volumenpotential)
4. Nutzt die Einzelbewertungen als Checkliste
Jede Kategorie hat Unterpunkte. Wenn ihr z.B. wisst, dass euch Smart Profiling wichtig ist, schaut direkt in Kapitel 1 (Espressopotential), ob die Maschine das bietet.
5. Wartet auf die individuelle Gewichtung (Coming Soon)
Bald könnt ihr auf unserer Webseite eure eigenen Prioritäten setzen:
- Espressopotential: Faktor 5 (statt 3)
- Schäumqualität: Faktor 0 (statt 2)
- Stromverbrauch: Faktor 3 (statt 2)
Dann wird der Score für euch neu berechnet.
Transparenz und kontinuierliche Verbesserung
Dieses Testprotokoll ist ein lebendes Dokument. Wir passen es basierend auf euren Rückmeldungen und unseren Erfahrungen kontinuierlich an. Version 2.3 ist bereits eine deutliche Weiterentwicklung gegenüber unseren ersten Tests.
Was wir noch nicht vollständig testen
Die genaue Punkteverteilung in den Kategorien Schäumqualität und Wertigkeit wird nachgereicht, sobald wir genügend Vergleichsdaten gesammelt haben. Die Kategorien und Bewertungskriterien sind jedoch bereits definiert.
Was ihr tun könnt
- Gebt uns Feedback
- Schreibt uns, welche Aspekte euch besonders wichtig sind
- Teilt eure Erfahrungen mit getesteten Maschinen
Unser Versprechen
Wir bleiben objektiv, messbar und transparent. Jede Maschine wird nach demselben Protokoll getestet. Jede Maschine wird von uns gekauft oder in Einzelfällen, bei sehr teuren Espressomaschinen, von uns mit Mietgebühr gemietet.
Wir nehmen uns Zeit. Gute Tests dauern.
Schlusswort
Ein gutes Testprotokoll ist wie ein gutes Rezept: Es standardisiert den Prozess, aber lässt Raum für Nuancen. Wir hoffen, dass ihr mit diesem Leitfaden nicht nur unsere Tests besser versteht, sondern auch eure eigene Kaufentscheidung fundiert treffen könnt.
Am Ende zählt nur eines: Der Espresso in eurer Tasse. Alle Messungen, Scores und Formeln sind nur Mittel zum Zweck – nämlich euch zu helfen, die Maschine zu finden, die zu eurem Leben, euren Ansprüchen und eurem Budget passt.
Viel Erfolg bei der Maschinensuche!
Andrea Perin, Michel Indelicato, Benjamin Hohlmann























