La Marzocco Linea Mini Test – Qualität und verpasste Chance

La Marzocco Linea Mini Test – Qualität und verpasste Chance

Die La Marzocco Linea Mini ist eine der besten eingruppigen Espressomaschinen auf dem Markt. So viel steht fest. In Sachen Präzision und Power macht dem kleinen Dualboiler, welcher der legendären Linea Classic nachempfunden ist, keine Maschine etwas vor. Und doch lässt die Linea Mini einiges liegen, um sie zur perfekten Allround-Maschine zu machen.

Dieser Testbericht sowie ein kurzer und ein ausführlicher Review fasst die Erkenntnisse unserer beiden Tester Michel Aeschbacher und Benjamin Hohlmann zusammen.

Disclaimer: in der Schweiz könnt ihr die Linea Mini bei uns kaufen. Das solltet ihr wissen. Dennoch, und da sind wir uns treu, arbeiten wir vorbehaltslos Stärken und Schwächen der Maschine heraus.

Gekommen, um zu performen: Temperatur-Performance par Excellence

Es ist eine Freude! Hebel an, Maschine los und die Performance stimmt. Die Linea Mini liefert Temperatur-Konstanz sowohl während dem Bezug als auch von Bezug zu Bezug. Weil es gerade so schön lief, hat unser Tester Michel Aeschbacher gar nicht mehr aufhören wollen und einen Bezug nach dem anderen gezogen. Unserem klassischen Temperatur-Testprotokoll folgend, lag die Temperatur-Konstanz im Bezug bei durchschnittlich 0,39 Standardabweichung. Dabei haben wir die Sekunden 5 bis 25 der Extraktion zu Grund gelegt.

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Eine so geringe Schwankung über 6 Bezüge in Folge ist richtig gut! Damit kann jeder Kaffee präzise gebrüht werden. In unserem klassischen Testprotokoll brühen wir Espresso alle 60 Sekunden. Nachdem die Linea Mini derart gut  abgeliefert hat, wollten wir es genauer wissen und haben die Frequenz der Bezüge hochgefahren. Doch auch bei einem Bezug alle 30 Sekunden, ändert sich die Performance der Maschine nicht. Sie bleibt konstant.

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Auch noch gut zu wissen: die Linea Mini kommt deutlich schneller in die Gänge, als die meisten Zweikreiser unserer Testreihe – wobei natürlich nicht so schnell wie ein Thermoblock. In rund 15 Minuten ist die Linea Mini im Prinzip auf Temperatur.

Gewicht und Umfang der La Marzocco Linea Mini 

Die Linea bringt es auf beachtliche 32 kg Gewicht und vereint diese auf 35,8 cm in der Breite, 45,3 in der Tiefe und 37,7 in der Höhe. Der Dualboiler lässt sich ans Festwasser anschließen, muss aber entsprechend vorbereitet werden. Der Dampfboiler fasst 3,5 Liter und der Brühkessel 0,17 l. Der Wassertank hat ein Volumen von 2,5 Litern. Die Brühgruppe ist gesättigt. Der Kessel sowie das Gehäuse sind aus Edelstahl gefertigt.

In der ersten Stunde mit Espresso-Bezug bringt es die Linea Mini auf 0,47 kw/h Energieverbrauch. Das ist richtig viel, vergleicht man es mit Zweikreiser-Espressomaschinen, die um die 0,3 kw/h schwanken oder einem Thermoblock, der auf zum Teil unter 0,1 kw/h kommt.

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Die sehr gute Temperatur-Konstanz trotz kleinem Boiler hat bauliche Gründe. Die Temperaturregelung beginnt erst im Bezug. Das Brühwasser wird durch den Durchlauf durch den Dampfboiler vorgeheizt. Angepeilt wird eine Temperatur von 85 Grad Celsius, die bei längerer Standzeit im Wärmetauscher durch Beimischung von Kaltwasser nachträglich erreicht wird. Mit dieser Temperatur tritt das Brühwasser in den Brühboiler ein, der direkt über der Brühgruppe sitzt und wird dort auf Temperatur gebracht.

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Dampfpower für die Massen

Stünden 1000 Gäste vor mir und ich dürfte nur eine eingruppige Maschine für das Schäumen der Milch wählen, so wäre die Linea Mini meine Maschine. Die Dampfpower würde mutmaßlich auch beim letzten Cappuccino nicht in die Knie gehen. In nur 15 Sekunden ist eine 0,6er Kanne geschäumt.

Da sich die Dampfpower nicht einfach vom Home Barista verstellen lässt, muss der Umgang mit so viel Kraft gelernt werden. Für einen Barista, der Gastromaschinen gewöhnt ist, wird sich die Linea Mini wie tägliches Geschäft anfühlen. Für Neueinsteiger:innen ist ein Lernweg zu gehen. Der ist jedoch auch zu gehen, wenn eine Maschine zu viel Kraft hat.

Wichtig ist, dass beim Einführen der Milchlanze nicht bereits zu viel grober Schaum gebildet wird. Dieser ist sonst schwer wieder in den Griff zu bekommen. Andererseits ist die kraftvolle Power der Cold Touch Dampflanze auch geeignet, um eine gute Rollphase zu vollzuziehen. Damit steht schöner Latte Art nichts im Wege.

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Internet of Things und ein anachronistisches Temperaturrad

La Marzocco ist mit seinen neuen Espressomaschinen in der Gegenwart angekommen. Das bedeutet «Internet of Things», WLAN Connectable und Steuerung per Smartphone. Was in aktuell erscheinenden Maschinen nativ implementiert ist, wirkt bei der Linea Mini wie ein Kompromiss, ohne zu großen Aufwand eine ältere Maschine zukunftsfähig zu machen.

Versteht mich nicht falsch: die Temperatursteuerung per Telefon ist ein wirklich guter Schritt, der die Linea Mini besser macht. Dennoch ist das Konzept nicht durchgezogen. Das alte Temperaturregelungsrad an der Seite der Maschine bewegt sich beim digitalen Umstellen der Temperatur nicht mit und gibt demnach auch eine andere Temperatur an als das Telefon. Ein versehentliches Drehen am Temperaturrad überschreibt die digitale Einstellung. Ein verstellen der digitalen Steuerung überschreibt das manuelle Rad.

Da kämpfen offensichtlich zwei Welten miteinander und noch ist nicht klar, in welche Richtung es gehen soll.

Sehr praktisch an der App ist z.B., dass durch eine Startsteuerung die Maschine auf bestimmte Uhrzeiten automatisch angeschaltet werden kann, oder auch per Fernsteuerung aus dem Bett.

Auch werden nicht alle Möglichkeiten der App ausgereizt, doch dazu jetzt mehr. Wichtig: anders als in dem Video-Review gesagt, ist in der App selbst ein Shot-Timer (keine Bezugssteuerung).

Die verpasste Chance – eine Maschine für die Kleingastronomie

Angesichts der erstaunlichen Präzision der Maschine, der großen Konstanz auch unter Last, und zwar sowohl beim Brühen als auch Schäumen, der großen Abstellfläche und Gesamtperfomance der Maschine wollen wir schreien: die Linea Mini ist perfekt geeignet, für kleine Cafés oder Restaurants mit wenig Kaffee-Umsatz, die dennoch Qualitätsanspruch haben. Die Linea Mini kann hier mit ihrem großen Bruder, der La Marzocco GS3, im Prinzip mithalten, und dass für 2000 Euro oder Franken weniger.

Aber… dafür bräuchten wir eine Wassermengen-Steuerung und keinen Alibi-Hebel.

Denn nein, der Plastikhebel an der Front der Linea Mini ist nicht etwa wie der Hebel der GS3 MP oder der Lelit Bianca für eine Fliessgeschwindigkeitskontrolle bzw. Druckprofil-Steuerung geeignet, sondern lediglich zum an und ausmachen. Ja, er sieht so aus und fühlt sich so an, als ob – ist aber nichts anderes als ein An-Aus-Schalter.

Und hier greift nicht etwa die App ein und gibt uns die Möglichkeit einer bestimmten Mengen-Kontrolle. Nicht einmal eine Zeitkontrolle ist vorgesehen. 

Das passiert bei der Linea Mini von Hand, via Waage. Das macht Freude, wenn wir es für uns selbst machen. Eine gewisse zeremonielle Befriedigung liegt in diesem händischen klein-klein. Doch ich wünsche mir so sehr, dass eine optionale Steuerungsmöglichkeit einen Bezug stoppt. Die einfach nach Sekunde X zu macht. Doch es soll nicht sein. Und damit verpasst die Linea Mini so viel…

Fazit

Der Test der Linea Mini lässt mich begeistert und frustriert zurück. Die Linea Mini ist eine grandiose Espressomaschine, die perfekten Kaffee brühen kann und Schaumfähigkeit von einem anderen Stern bietet. Sie hat sich durch IoT entscheidend weiter verbessert, wenn auch in der aktuellen Version noch einiges an Potential liegen lassen. Sie verbraucht zu viel Strom und ist aufgrund ihres Potentials für Zuhause eine Überperfomerin.

An dieser Stelle bin ich fast etwas sauer auf La Marzocco. Die Linea Mini liefert in unserem Test so gut ab, dass sie sich in Sachen Leistung direkt neben die GS3 stellen kann. Vielleicht hat die GS3 auf bei Frequenz noch etwas mehr Wumms, noch etwas mehr Durchhaltevermögen. Aber das ist vernachlässigbar. Damit bleibt für mich als großes pro der GS3 neben der Linea Mini die volumetrische Steuerung der Wassermenge. Und da muss ich schon sagen, dass ich den Mehrpreis einfach krass finde!  

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