Olympia Express Maximatic – ein schwieriger Zweikreiser-Test

Olympia Express Maximatic – ein schwieriger Zweikreiser-Test

Was gibt es sympathischeres als eine heimische Espressomaschine, deren 150 Komponenten überwiegend „lokal“ produziert und zusammengesetzt werden!? Die Rede ist von Olympia Express – einem Unternehmen, das seit über 80 Jahren ein Pionier in Sachen Espressomaschinenproduktion in der Schweiz ist.

Unternehmen und Marke sind Kult. Die Langlebigkeit ist legendär. Tatsächlich sind noch Geräte verfügbar, die schon 30 Jahre Espresso durch den Auslauf haben laufen lassen. Der 2011 von der  Schätti Metallwarenfabrik AG in Schwanden übernommene Espressomaschinenhersteller kommuniziert stark über die Tradition, Materialität, Kaffeequalität und Erfahrung.

Wir wollen uns insbesondere auf diese Faktoren in diesem Test konzentrieren. Eine preisliche Einordnung fällt schwer, weil alle anderen getestet Zweikreiser-Espressomaschinen „anders“ produziert werden und in einem anderen Preisbereich (1200 – 2500 CHF) unterwegs sind. Die Olympia Express Maximatic ist für rund 4000 Schweizer Franken zu haben und im Euro-Raum mit 3690 Euro z.B. bei Manufactum gelistet. Damit ist die Maschine die teuerste uns bekannte Zweikreiser-Espressomaschine.

Neben Kult, Langlebigkeit und Kaffeequalität haben wir einige Erwartungen.

Materialität par excellence

Was haben wir die letzten Wochen und Monate bei unseren Zweikreiser-Tests über nicht entgratete Metallkanten geflucht und über dünnes „semi-Metall“. Anders die Olympia Express Maximatic! Der kleine Zweikreiser ist gleichzeitig auch einer der schwersten, robustesten und vor allem besten verarbeiteten Espressomaschinen. Die rund 18 Kilogramm Eigengewicht sind eine Ansage. Da wackelt nichts beim Einspannen des Siebträgers.

Das polierte Edelstahl der Front und der oberen Partie ist gefühlt doppelt so dick, wie die Aussenhaut der BZ10 von Bezzera. Die Lelit Mara X fühlt sich dagegen so weich an wie ein Kopfkissen. Und die Kanten sind butterweich, sogar bei der Tropfschale, deren ausgestanzte Löcher bei fast allen uns bekannten Maschinen auch als Kartoffelreibe funktionieren würden. Die pulverbeschichteten Seitenwände machen ebenfalls einen guten Eindruck. Das macht Freude!

Freude macht auch der Edelstahl-Wasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von 1.5 Liter. Das ist üblicherweise Plastik, und zwar der günstigen Machart. Mit dem Wasserbehälter der Olympia kann man vermutlich auch Zimmermannsnägel reinhauen.

Olympia Express Maximatic

Die Olympia Express Maximatic

Die Maschine ist sehr kompakt und mit 19.5 cm Breite schmaler als ein DIN A4 Blatt. Eine Tiefe von 34 cm und eine Höhe von 37 cm sorgen dafür, dass die Maschine gut in jede Nische passt, aber auch alleinstehend noch wirkt.

Was uns richtig gut gefällt: auch der Brühkessel kann von oben geöffnet werden. Das erlaubt theoretisch einen direkten Zugriff und auch ein einfacheres Entkalken. Bei klassischen Zweikreisern raten wir davon ab das selbst zu machen, weil Rückstände im Kessel bleiben können und die Ventile verstopfen. Bei der Olympia Express Maximatic ist das weniger ein Problem (aber Achtung, niemals im heissen Zustand öffnen).

Funktion der Olympia Express Maximatic – reduziert auf das Wesentliche

In Sachen Funktion ist die Olympia Express Maximatic komplett auf die Funktion reduziert. Espresso machen und Milch schäumen.

Die Maschine heizt in rund 20 Minuten auf Betriebstemperatur. Die der Maschine eigene Brühgruppe erwärmt sich durch eine Wärmebrücke zum Boiler gut mit. Das ist wichtig, damit die Brühtemperatur im Siebträger nicht durch eine kühle Umgebungstemperatur fällt. Die Brühtemperatur der Maschine ist konstant bei einzelnen Bezügen. Wir haben eine durchschnittliche Brühtemperatur von 93 Grad gemessen, mit lediglich Schwankungen von einem halben Grad nach oben und unten. Das ist vorbildlich!

tropschale olympia express

Die Tropfschale der Olympia Express Maximatic ist sehr klein.

Der kleine Kessel der Maschine (0,75 l) ist allerdings nicht für einen kontinuierlichen Einsatz gemacht. Spätestens ab dem fünften Bezug in Folge fällt die Temperatur der Maschine. Da die Olympia Express Maximatic nicht ans Festwasser angeschlossen werden kann, ist sie aber ohnehin nicht für den Dauereinsatz konzipiert.

Auch das Milchschäumen mit der Maximatic geht gut. Initial hat der kleine Kessel sogar recht kräftigen Druck aufgebaut, der aber während der Rollphase doch deutlicher eingebrochen ist. Wir empfehlen deshalb eher, nur Kännchen der Grösse 0,35l zu schäumen.

Der Wasserbezug wird mit einem Knopf ausgelöst und gestoppt. Das Schäumen wird über ein Plastikdrehrad gestartet. Teewasser kann mit der Maximatic im Gegensatz zu den meisten anderen Espressomaschinen nicht bezogen werden. Das haben wir nicht wirklich vermisst, da wir ohnehin das Wasser aus dem Kesseln sensorisch nicht empfehlen. Für das schnell zubereiten eines Americanos (verlängerter Espresso) ist eine Bezugsmöglichkeit aber natürlich praktisch.

Verpasste Chancen und was uns nicht gefällt

Leider zieht sich die Präzision in Sachen Materialwahl und Verarbeitung nicht durch alle Facetten der Maschine. Weniger ins Gewicht fällt, wie klein die Tropfschale ist. Aber unpraktisch ist es schon, das gefühlt nach jedem 5 Espresso ein Entleeren der Schale sinnvoll ist. Das liegt daran, dass beim beenden der Extraktion das überflüssige Wasser der Leitungen sich in die Schale entleert.

tamper zu klein

Zu kleiner mitgelieferter Tamper der Olympia Express Maximatic

Die Milchlanze beschreibt Olympia selbst als „extra lang“. Wir finden sie „ziemlich kurz“ und vor allem im Neigungswinkel fixiert. Das macht das Schäumen und richtige Positionieren schwierig. Auch das Plastikrad zum starten des Schäumvorgangs fällt im Vergleich zum sonstigen Material ab.

Wirklich verwundert hat uns, dass Olympia Express keinen Gummiüberzug über die Milchlanze zieht. Dieser ist zwar nicht schön, ermöglicht aber, dass man die Lanze anfassen kann. Alle anderen Maschinen auf dem Markt haben entweder einen Gummiüberzug, einen Plastikgriff oder ein „Cold Touch“-Rohr, welches an der Aussenseite nicht heiss wird.

Ein absolutes No-Go ist die Grösse des Tampers im Verhältnis zur Durchmesser des Siebes. Ein guter Tamper schliesst am Rand des Siebes ab und „tampt“ entsprechend auch den ganzen Kaffeekuchen. Der mitgelieferte Tamper lässte eine Lücke von gut 2 mm. Das provoziert Channeling und tatsächlich hatten wir auch in den Extraktionen mit Channeling zu kämpfen.

Fazit und Gedanken zur Olympia Express Maximatic

Vorweg: wir haben sehr guten Espresso getrunken und auch ordentlichen Cappuccino mit der Olympia Express Maximatic zubereitet. Die Materialsprache und Wahl sind wirklich hervorragend. Das die Maschine in der Schweiz gebaut wird, die Komponenten nicht wild zusammengekauft werden und die Maschine den Anspruch hat, für die Ewigkeit gebaut zu sein – das stellt den Preis von 4000 CHF in ein verhältnismässiges Licht.

Anders formuliert: wenn eine Espressomaschine für 500 CHF 3 Jahre und die Olympia Express 30 Jahre hält, dann ist die Olympia günstiger und locker amortisiert. Und gerade in einer Wegwerf-Produktionsgesellschaft finden wir diese langfristige Perspektive sehr, sehr wertvoll und „lokale“ Produktion sowieso. Und auch Tradition finden wir unschätzbar wertvoll, aber eben auch verpflichtend.

Erfahrung und Tradition kann genutzt werden, um eine bereits hochwertige Maschine weiter zu entwickeln und Impulse des Marktes aufzunehmen. Ein gutes Beispiel sind die Dampflanzen. Die Cold Touch-Lanzen werden mittlerweile durch alle Preisklassen hinweg als Standard in Espressomaschinen verbaut. Man spart sich den hässlichen Gummi-Überzieher und kann die Lanze dennoch anfassen. Da muss Olympia Express ran!

Das eine Maschine, die Präzision hoch schreibt, einen Tamper mitliefert, der gar nicht zum Siebträger passt, das ist unverständlich. Die Tamperentwicklung hat sich in den letzten Jahren immer weiter entwickelt und bei einem 58er Sieb werden heute Tamper von 58,4 oder 58,5 genutzt, die perfekt mit dem Rand abschliessen. Das erleichtertet vor allem ungeübten Anwender die Zubereitung eines guten Espresso.

Die Olympia Express Maximatic hat seit langem keine Weiterentwicklung erlebt, dabei könnte man das Produkt einfach besser machen und aufwerten. Da die Maschine knopfgesteuert ist, wäre eine programmierbare Wasserbezugsmenge für alle ungeübten Home Barista eine grosse Erleichterung, um sicher eine gute Brühverhältnismässigkeit zu erreichen.

Wir finden es richtig, dass die Maschine auf digitales Schnick-Schnack verzichtet. Aber eine Bezugszeit-Stoppuhr wäre ein ungemeiner Gewinn für die Maschine. Dieser könnte auch mit Zeiger versehen sein – wie genial wäre das!

Auch der Siebträger selbst fühlt sich in Sachen Material nicht so hochwertig an wie der Rest der Maschine. Eine weitere einfach-machbare Aufwertung wäre auch ein Ersatz für das Plastikrad der Milchlanze.

Schwierig, dieser Test. Schwierig für uns, eine Aussage zu machen, für wen diese Maschine die Richtige ist. Bei einem reinen Preis-Leistungstest müssen wir sagen: da geht mehr für weniger. In Sachen Werthaltigkeit setzt die Olympia Express Maximatic Massstäbe, lässt aber auch einiges liegen, was möglich wäre.

Die Maschine ist ein Liebhaberstück. Und Ecken und Kanten lieben zu lernen, gehört ja eben zu jeder Liebesbeziehung.


Update: Wir haben von einem Nutzer der Maschine den Hinweis erhalten, dass es um die Werthaltigkeit der Maschine wohl doch nicht so gut steht. Uns liegen Reparaturrechnungen in Höhe von über 1400 Euro vor, die durch drei Reparaturen in weniger als vier Jahren entstanden sind.

Haben andere von euch ähnliche Erfahrungen gemacht? Bitte schreibt es uns in die Kommentare.

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8 Kommentare

  • Dass die Maschine 30 Jahr hält stimmt nicht. Meine Maximatic brauch bei 900 Espressi pro Jahr, jedes Jahr eine Überholung für 400-800€. Meine E61 Maschine ist seit 5 Jahren ohne Wartung. Wenn die Tropfschale entleert, kann es sein, daß weiter Wasser austritt. Das gibt dann Rostblasen auf der Emaile. Zwischen Kaffebezug und Schäumen muss sich schon ein wenig Zeit lassen, da der Druck zu weit abfällt. Fast wie eine Einkreis Maschine. Wer nicht den kleinen Footprint unbedingt braucht, ist mit anderen Maschinen besser bedient.
  • Lieber Johannes, danke für die wichtige Rückmeldung zur Maschine. Das ist krass, dass sollte wirklich nicht sein. Diese Erfahrung habe ich so mit Lelits, ECMs, Rockets usw. nicht gemacht. Wir hatten eine Zeit lang eine Olympia bei uns, haben sie aber kaum benutzt. Deshalb liegt der Schwerpunkt des Testes auch auf den Testparametern. Deshalb ist deine Schilderung aus der Praxis sehr wertvoll. Danke und herzlich,
    Benjamin
  • Ich besitze (noch?) keine Maximatic empfinde aber einige genannte Schwachpunkte tatsächlich als Vorteile.
    Weitere elektronische Zusatzschaltungen für Timing und Durchflussmenge brauche ich nicht. Das erfordert nur Sensoren etc. und die gehen kaputt.
    Jedes Jahr Änderungen an der Konstruktion vorzunehmen macht die Ersatzteilsituation schwierig. Für eine Maschine, die 20 Jahre unverändert ist, kann der Hersteller auch einfacher sein Ersatzteillager vorhalten. Das ist vielleicht erst in 30 Jahren ein Vorteil, aber ich habe das Gefühl, etwas Nachhaltiges zu kaufen. Ich hoffe, dass der Hersteller entsprechend wirtschaftet und über eine entsprechende Versorgung die Langlebigkeit seiner Gerätes unterstützt.
    Ein guter Teil der Esthetik des Gerätes liegt unter dem Gehäuse. Ich finde es klasse, wie kurz die Wege zwischen den einzelnen Komponenten ist. Es wirkt teilweise so, als ob die Teile direkt aneinander anschließen bzw. miteinander verschraubt sind. Es wirkt alles so gut durchdacht und aufgeräumt. Ich denke, dass das do-it-yourself Reparaturen einfacher macht (?).
    Kein Kugelgelenk an der Aufschäumdüse erlaubt vielleicht auch eine einfachere Dichtung, die leicht zu wechseln ist oder länger hält?
    Schön wäre ein Rahmen aus Edelstahl, der niemals Rost ansetzt.
    Der zu kleine Tamper ist wirklich peinlich. Die Form des Siebes könnte man auch verbessern.
    Alles in allem ist die Maximatic eigentlich eine "Minimatic", im Sinne von "reduce to the max". Sie nimmt nicht die halbe Küchenanrichte ein.
  • Habe eben meiner heute gelieferten gebrauchten Olympia Maximatic den ersten selbstgemachten Espresso meines Lebens entlockt.
    Bohnen von Eliphant Beans in der gebrauchten Moca von Olympia gemahlen - nach Anleitung und euren tollen Tutorials - getampert etc. und was soll ich sagen - herrvorragend! Das Beste was ich bisher getrunken habe!
    Bin ein Fan von Nachhaltigkeit und habe 5 Jahre mit der Olympia geliebäugelt. Nun habe ich ein Second-Life-Produkt das wirklich lange Freude machen wird. Made in Nachbarschaft -nicht by the world! Da müssen wir dringend wieder hin. Zu Produkten die sich lohnen repariert zu werden. Schön das es diese Maschinen überhaupt noch gibt und nach Jahren noch aussehen wie Neu!
    In diesem Sinn liebes Kaffeemacher-Team bitte bei Produktbeschreibungen öfter mal die Nachhaltigkeitsbrille aufsetzen. DANKE, Mathias
  • Also für dickes Blech und entgratete Kanten (kann ich in 5min auch selber machen) bezahlt man 4000 Fr statt ca. 1500 Fr wie für Zweikreiser üblich? Verzichtet aber au sehr viele Funktionen und könnte für 2000 Fr einen Dualboiler haben einer renommierten italienischen Firma. Man muss schon sehr patriotisch sein um so eine Maschine zu kaufen. Gut gibt es viele Patrioten - kenne auch zwei die so eine Maschine haben und sehr happy sind!
  • If the temperature is now very stable is there any way to adjust it with flushing?
  • Geschätzte Kaffeemacher
    Vielen Dank für euer Review, schön das euch die Maximatic gefällt.
    Wir werden euer Feedback gerne aufnehmen und in die Entwicklung neuer Maschinen mit einbeziehen. n den Letzten Jahren wurde die Maximatic stetig verbessert, was ihr ja bereits richtig bemerkt habt zu einem sehr stabilen Temperaturverhalten geführt hat.
    Die heutige Maximatic und auch die Cremina sind elektromechanische Klassiker - wir werden sie noch so lange wie möglich so weiter im Sortiment behalten.

    Freundliche Grüsse
    Olympia Express
  • Liebes Team von Olympia, vielen Dank für eure Rückmeldung und eure Arbeit.
    Herzlich, Benjamin

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