Transparenz Kaffee - Schritte zu transparentem Handel

Transparenz Kaffee - Schritte zu transparentem Handel

Transparenz und „The Pledge“

Als Kaffeemacher kommunizieren wir offen über das, was wir tun. Wir geben Wissen in unseren Kursen weiter und beraten entlang der Kaffeekette. Auch als Kaffeeröster sprechen wir über die Einkaufspreise unserer Kaffees und fordern damit den Status Quo des Kaffeehandels heraus.

Rohkaffee ist zu günstig. Die allerwenigsten kleine Produzenten können davon leben, wenn sie ihren Kaffee über die etablierten Kanäle verkaufen und den an der Börse gehandelten Preis erreichen. Wir haben darüber in mehreren Podcasts berichtet:

https://open.spotify.com/show/090WkPqHLfVjBPwZPrbrfn

Wir sehen uns als Kaffeeröster in der Verantwortung, den Kaffeeproduzierenden Preise zu bezahlen, die für beide Seiten langfristig Sinn machen. Wir orientieren uns deshalb nicht an dem Börsenpreis, sondern suchen den direkten Kontakt zu den Produzenten selber, um den Preis auf Augenhöhe auszuhandeln. Wenn dies (noch) nicht geht, arbeiten mit Händlern zusammen, denen wir vertrauen. Auch von ihnen fordern wir Transparenz bis möglichst nah zum Produzenten ein.

Das ist – obwohl wir im Zeitalter der Informationen leben – in den allerwenigsten Fällen einfach möglich. Zu lange lief der Kaffeehandel als gut bedecktes, intimes Geschäft ab, bei dem niemand die Karten offenlegen musste.

The Pledge – die Selbstverpflichtung für Kaffeeröster und Importeure

Diese Zeiten sind jedoch vorbei – seit 2018 arbeitet eine internationale Gruppe von Kaffeeröstern (zB. Tim Wendelboe, The Coffee Collective, Counter Culture Coffee, Quijote Kaffee, Flying Roasters, u.a.) an einem Standard für Transparenz auf der Kaffee-Kette. Herausgekommen ist „The Pledge“ – eine Selbstverpflichtung für Röster und Importeure. Wer bei „The Pledge“ mitmacht, verpflichtet sich, detaillierte Informationen über die gekauften Kaffees öffentlich zugänglich zu machen. Dazu gehört z.B.:

  • Wer sind die Handelspartner?
  • Wie lange arbeitet man schon mit ihnen zusammen?
  • Wie viel Kaffee kaufen wir von ihnen ein?
  • Was ist die Qualität?
  • Welche Preise haben wir bezahlt? (z.B. FOB)

Wir zitieren hier gerne die Flying Roasters aus Berlin, die zum Pledge sagen:

Damit setzen wir gemeinsam Standards, definieren was echte Transparenz heißt und grenzen uns von reinen Marketinginitiativen ab.

Transparenz als Haltung

Mit der Offenlegung unserer Preise positionieren wir uns klar in der Rösterwelt. Wir hoffen, dass sich noch weit mehr Röstereien an dieser Initiative beteiligen. Wie hat es doch Roger Wittwer von der Kafischmitte in unserem Podcast über die tiefen Kaffeepreise im Herbst 2018 gesagt:

Je mehr wir transparent agieren, umso mehr wird das hoffentlich zum Standard. Die Kunden sehen das, und fragen vielleicht immer mehr nach den Bedingungen, wie dieser Kaffee angebaut und eingekauft wurde.

Roger Wittwer, Kafischmitte

Transparent zu machen, was wir tun, ist uns ein Anliegen. Mit unserer Kaffeefarm in Nicaragua, der Finca Santa Rita, sind wir mitten drin in der Kaffeeproduktion und sehen, spüren und erleben jeden Tag aufs Neue, was es heissen kann, Kaffeeproduzent zu sein.

Mit diesem Hintergrundwissen können und wollen wir nicht mehr Kaffees einkaufen, von denen wir nicht genau wissen, was eigentlich zurück auf die Farm geht.

Dass dies ein Mehraufwand für den Händler bedeutet, liegt auf der Hand. Pascal Herzog betont dies im Gespräch mit Philipp Schallberger mehrmals. Dieser Mehraufwand muss sich lohnen, für alle – und deswegen sind wir auch bereit, mehr zu bezahlen, um wirklich die Infos zu bekommen, die uns zufrieden stellen.

Transparenz und offene Kommunikation ist seit jeher eine Grundhaltung der Kaffeemacher. In unseren Kursen legen wir z.B. die Betriebszahlen unseres Cafés offen, damit die KursteilnehmerInnen die Kalkulation von Warenkosten und Personalkosten erlernen.

Mit der Teilnahme an „The Pledge“ treten wir bewusst für eine noch offensivere Kommunikation ein, die sich nicht mit Zertifikaten begnügt.

Wir verpflichten uns als Röster, den Anteil unserer transparent gehandelten Kaffees im Gesamtsortiment darzustellen.

Unsere Rohkaffee-Liste:

Unser Rohkaffee-Sortiment

Bis Ende 2021 peilen wir an, von allen Kaffees den ex-Farmgate Preis zu kennen. Sobald wir diesen Preis haben, wissen wir, welcher Anteil der Wertschöpfung auf der produzierenden „Farm“ ankommt. Die „Farm“ gibt es leider ebenso wenig wie „die Produzenten“ – das heisst, dass wir nie genau in allen Fällen sagen können, wohin genau welches Geld geht.

Weiterführende Links zum Thema:

Was heisst FOB? 

Ein Text von Pascal Herzog. https://kaffeemacher.ch/preistransparenz-kaffee/

Wie erklärt sich der Kaffee-Preiszerfall? 

Podcast https://podcast.kaffeemacher.ch/2018/12/29/kaffeehandel-und-preisfall/

Was heisst FOB, Direct Trade, Farm Gate, Produktionskosten? 

Podcast https://podcast.kaffeemacher.ch/2019/06/19/kaffeepreis-transparenz-podcast/

Anmerkungen zur Finca Santa Rita:

* Santa Rita, Nicaragua: Die Finca Santa Rita ist eine Farm im gemeinsamen Eigentum von Roberto Castellano und den Kaffeemachern (jeweils 50 % Eigentümer). Die Kaffeemacher GmbH bezieht den Kaffee von der Finca Santa Rita zum aufgelisteten FOB Preis. Zusätzlich finanzieren wir alle laufenden Kosten auf der Farm. 

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